Mittwoch, 3. November 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 18


Doch wie kommen sie jetzt wieder zurück? Hat sich irgendjemand den Zauberspruch der Hexe gemerkt? Und wie sieht's mit der Zeit aus? Sind die 24 Stunden nicht schon vergangen, die sie einhalten müssen, um überhaupt zurückkehren zu können? Mouni verwandelt sich wieder in die Sanduhr. Samü erkennt, dass schon der größte Teil des Sands durchgelaufen ist. "Wir haben nur noch ein paar Minuten", sagt er. "Gut, dass ich eine eine Mischung aus Gedächtnis-Genie und Konzentrationswunder bin und der Zauberspruch in meinem Kopf gespeichert ist. Hier ist der Kreisel und wisst ihr was: wir brauchen gar keinen Hexenbesen, das ist bei Hinkebein alles nur Show. Ich kenn die Hexe schon so lange. Los geht's, zurück auf die Erde." Sie verabschieden sich von Mouni, der ihnen versichert, dass die Hexe noch mal 150 Jahre braucht, wenn sie über die Treppe zur Erde gelangen möchte, so dass sie jetzt erst mal 300 Jahre Ruhe vor ihr haben werden. Dann geht's mit dem Zauberkreisel zurück nach München, wo sie als erstes die von der Hexe gefangenen Traumwichtel befreien. Die beschließen, von jetzt mit den Sandmännern gemeinsame Sache zu machen. Gemeinsam fühlen sie stärker und können sich gegen einen neuen Angriff besser verteidigen. Von nun an wird jedes Kind beim Empfang des Schlafsands auch gleich seine schönen Träume mit erhalten.
Die Abgesandten der Sandmänner emwarten Samü, seine Freunde und die Traumwichtel schon sehnsüchtig. "Das war jetzt aber höchste Eisenbahn!" sagt der Vertreter aus Nürnberg, "wir mussten schon rationieren, die Kinder schlafen bereits eine Stunde weniger." Am nächsten Tag gibt's eine Extra-Traumration für alle, die Kinder schlafen alle eine Stunde mehr und Frieden zieht bei allen Eltern auf der Erde ein. Und weil mit dem tollen, selbstgebauten Fluggerät von Samü, Schnatterinchen und Pitti alles begann, beschließt man, es im Sandmann-Museum auszustellen. Ja, und nicht zu vergessen: Jona hatte das Abenteuer seines jungen Lebens bestanden und wurde zum Ehren-Sandmann erklärt und in die Hall of Sand aufgenommen.
Und am nächsten Morgen wacht er auf und merkt, dass alles nur ein langer, schöner Traum gewesen war. Einer, der Jona aber für immer verändern würde. Er wusste jetzt im Herzen, dass er ganz besonders war. Der einzige Wermutstropfen an der Sache heißt Larissa. Jona ist doch ein wenig traurig, dass auch sie nur ein Teil seines Traums war. Doch er erinnert sich, dass er Larissa tatsächlich schon mal gesehen hatte, sie ist die Tochter des Schul-Hausmeisters. So beschließt Jona, in der nächsten Schulpause auf sie zuzugehen, und ihr von seinem Traum zu erzählen. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte...

Sonntag, 19. September 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 17


So machen sich Jona, Buntjo und Pitti auf den beschwerlichen Weg nach oben. Es sind 999 Stufen, die sie erklimmen müssen. Sogleich zeigt ihnen Mouni die Vorratskammern für den Schlafsand. Während er sich langsam blau färbt, erklärt ihnen Mouni, dass der Sand hier seit Jahrtausenden vom "Guten Wind", so nennt er die Sandstürme hier oben, in die Mondkrater geweht wird. Mouni weiß aber auch um die Gefahren, die vom Schlafsand ausgehen, aber noch bevor er die anderen zur Vorsicht mahnen kann, stürzt sich Pittiplatsch mit einer großen Schaufel bewaffnet in den Krater. "Vorsicht Pitti", ruft Mouni noch, "du wirst einsinken, einschlafen und ersticken." Als er ihn am Schlawittchen packen und zurückreißen will, bekommt er plötzlich eine ganze Ladung hochkonzentrierten Traumsand über den Kopf und sinkt ohnmächtig zu Boden. Bei Jona reichen bereits ein paar Körnchen Sand, die auch auf ihn abfallen, um ihn einzuschläfern. Einzig Buntjo, der Chow Chow, ist gegen die betäubende Wirkung gefeit und stellt sich nur schlafend. Nun wird klar, dass Hexe Hinkebein sich in Pitti verwandelt hat. Der richtige Kobold war also gar nicht mitgekommen und musste auf der Erde verharren. In Windeseile beginnt die Hexe nun, den Sand in die mitgebrachten Säcke zu schaufeln. Sie will rechtzeitig, bevor die anderen aufwachen, mit dem Zauberkreisel wieder weg sein. Doch sie hat nicht mit der Cleverness des schlauen Buntjo gerechnet, der heimlich so lange mit seiner blauen Zunge über Jonas Gesicht leckt, bis dieser aufwacht und die Hexe hinterrücks in den Schlafsandkrater stoßen kann. Da kann sogar eine Hexe nichts mehr ausrichten, sie versinkt in Windeseile und schläft für die nächsten 150 Jahre.
Sofort helfen Jona und Buntjo dem schlaftrunkenen Mouni wieder auf die Beine, Jona lädt Bunto noch zwei kleine Sandsäcke auf den Rücken, er selbst hat auch zwei und Mouni ist inzwischen wieder so wach, dass auch er sich einen Sack auf den Rücken binden lässt. So machen sich die drei auf den Rückweg und treffen am Fuß einen überglücklichen Sandmann samt Schnatterinchen. Die beiden hatten beschlossen, nicht ganz nach unten zu steigen, wie es Mouni gesagt hatte, sondern nach ein paar Minuten wieder kehrt zu machen. Jetzt fallen sie sich gegenseitig in die Arme fallen und erzählen sich das Erlebte. "Dann hat mich die Hexe auch verhext", meint Schnatti, als sie Jonas spannenden Bericht gehört hat, "sonst hätte ich nie so einen Quatsch erzählt." - "Ja, und Buntjo hat unsere Mission gerettet", jubelt Jona und umarmt seinen fröhlich schwanzwedelnden Hund. "Das gibt für dich einen extra großen Fleischknochen", verspricht Jona. Samü erzählt unterdessen, wie er und Schnatti auf dem Weg nach unten plötzlich Besucht von dem Zauberer mit dem riesigen Panamahut bekamen. Und der sprach sogar mit ihnen: "Ich komm vom lieben Sandmann-Gott und geb euch einen guten Rat. Geht dorthin, wo meine Schmetterlinge hinfliegen..." Aus seinem Hut flatterten unzählige bunte Schmetterlinge, die in der Dunkelheite leuchteten. Sie flogen nach oben, Samü und Schnatti kletterten hinterher. Schließlich kamen sie wieder zum Fuß der Leiter und die Schmetterlinge verlißen sie. "Gibt's da oben auch einen Jahrmarkt mit Akrobaten?" fragt Samü neugierig. Er will wissen, ob sich auch der Rest seines Traumes erfüllt. "Nein", sagt Samü, "das war nur ein Traumbild", sagt Mouni, "das der liebe Sandmann-Gott in dir geschickt hat, damit du dich auf den Weg machst..." Samü staunt nicht schlecht. Wenn er das gleich gewusst hätte. Dann steckte also der liebe Sandmann-Gott selbst hinter seiner Traumsand-Mission...
Samü und Schnatti wollen natürlich trotzdem auf den Mond und Mouni gibt ihnen nun keine neue Aufgabe mehr. Er ist viel zu müde, um ihnen etwas zu verwehren.

Montag, 30. August 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 16


Bevor sie sich zuviele Gedanken darüber machen können, was die beiden Leitern zu bedeuten haben, sehen sie eine schemenhafte Gestalt. Sie schält sich aus der Dunkelheit zwischen den Leitern und bleibt seltsam undeutlich und verschwommen, obwohl sie näher kommt. Samü und seine Freunde sind mächtig eingeschüchtert vor der Gestalt, die gewaltige Ausmaße hat und andauern die Form verändert, mal oval, dann rund, schließlich wie eine Sanduhr, so bleibt sie vor ihnen stehen. Aus dem oberen Teil - vermutlich der Kopf - hören sie eine fast lautlose Stimme: "Was wollt ihr hier, Fremde?" Samü fragt verdutzt: "Bist du der Mann im Mond?" - "Wie man's nimmt", antwortet die seltsame Gestalt, die ein wenig an einen farblosen, geisterhaften Barbapapa erinnert. "Ich bin Mouni und wache über den Zugang zum Mond. Aber ein Mann, nein, das bin ich nicht..." Samü fragt weiter: "Kannst du uns zum Mond bringen. Wir müssen unbedingt Traumsand mit zur Erde bringen, sonst werden die Kinder bald nicht mehr einschlafen können..." Mounis Farbe ändert sich jetzt doch, das Weiß wird langsam rötlicher. "Nun, wenn ihr hoch ins Licht wollt, müsst ihr ein Rätsel richtig erraten, wenn ihr falsch antwortet, müsst ihr die Leiter nach unten nehmen - in die Dunkelheit..." Furcht macht sich breit in Samüs Herz und auch bei seinen Freunden. "Ihr habt keine Wahl, nun gilt es", haucht ein mittlerweile tiefroter Mouni und stellt seine Rätselfrage: "Wie viele Tage, Wochen, Monate oder Jahre braucht der Mond, um einmal die Erde zu umrunden?" - "Ich weiß es!", platzt es aus Schnatterinchen, vor lauter Aufregung berät sie sich gar nicht mit den anderen. "Das ist eine Fangfrage, der Mond bewegt sich gar nicht um die Erde..." - Mounis Farbe wird allmählich grün, als er sagt: "Die Antwort ist falsch, du musst nach unten!" Und ehe Schnatti sich's versieht, tritt sie die Reise in die Finsternis an. Samü, Jona und Pitti sind vor Schreck wie gelähmt. Pittiplatsch ist der erste, der sich aus der Erstarrung löst, aber bevor er antwortet, bespricht er sich leise mit seinen Freunden: "Hört mal, ich weiß die Antwort, ich hab's erst gestern gelesen, als ich mich auf die Reise vorbereitet habe. Darf ich antworten?" Samü und Jona nicken, Buntjo bellt zustimmend. "Einen Monat", sagt Pitti, daher kommt ja auch der Name: Mond, Monat... versteht ihr?" - "Natürlich", ruft Jona, "einmal im Monat ist ja auch Vollmond." Ob das wohl stimmt? Mouni gibt ein brummendes Geräusch von sich, das Samü und die anderen vor Angst erzittern lässt ... "Genau richtig", brummelt Mouni schließlich und wabert, nun goldgelb schimmernd, um sie herum. "Folgt mir!" So gehen die drei samt Buntjo hinter Mouni her, auf den ersten Sprossen drehen sie sich noch mal um. Auch Schnatterinchen guckt nach oben. Sie winkt ihnen aufmunternd zu. Ohne lang nachzudenken entscheidet sich Samü, seine Freundin Schnatterinchen zu begleiten. "Ihr schafft das schon ohne mich, Schnatti braucht mich jetzt." Jetzt ist er froh, Jona mitgenommen zu haben...

Mittwoch, 28. Juli 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 15


Die darauffolgende Nacht machen Samü und seine Freunde kaum ein Auge zu, so aufgeregt sind sie. Bis tief in die Nacht wird diskutiert, ob das Risiko nicht vielleicht doch zu groß ist. Insbesondere, wo doch ein Menschenkind mit dabei sein würde. "Aber ich hab's ihm doch versprochen! Und irgendwas sagt mir, dass er uns noch in besonderer Weise helfen wird", beteuert Samü und hofft dabei auf den Beistand des lieben Sandmann-Gottes, der auch allen Kindern beisteht. Auch Jona wälzt sich hin und her. Bereits um 6 Uhr steht er auf, um rechtzeitig da zu sein. Seinen Eltern hat er erzählt, er habe sich mit einem Freund fürs Freibad verabredet. Sie hätten ihn doch sonst nie gehen lassen. Unter seinem Kopfkissen liegt ein Brief, in dem er seinen Eltern schreibt, wo er tatsächlich hingeht - und mit wem. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihm doch etwas zustößt. Da Jonas Eltern meistens mit sich selbst beschäftigt sind, würden sie sein Fernbleiben erst am späten Abend bemerken - und bis dahin sollte er längst wieder da sein. Um halb 8, als Jona und Buntjo eintreffen, herrscht hektische Betriebsamkeit in der Baumhöhle und darum herum. Alle Sandmänner, die auf die Schnelle kommen konnten, sind da, um für den Mann im Mond einen gemeinsamen Brief zu verfassen. In dem Brief wollen sie bitten, vom geheimnisvollen Traumsand etwas abzugeben, damit die Kinder auf der Erde weiter gut schlafen können. Bevor die Hexe Hinkefuß kommt, beten sie für die Mission und machen sich flugs aus dem Staub. Keiner möchte der Hexe begegnen. Als sie kommt, erstarrt Jona vor Furcht, denn sie ist wirklich sehr alt und sehr hässlich. Er spricht sich in Gedanken Mut zu und setzt sich dann mit Buntjo, Samü, Pitti und Schnatterinchen bereitwillig in den Dunstkreis ihres stinkenden Atems. "Seid ihr bereit?" fragt sie mit rauer Stimme. Alle nicken und gucken entschlossen in die Runde. Mit dem Besen zieht Hexe Hinkebein einen unsichtbaren Kreis um die Abenteurer und dreht dann in der Mitte den magisch leuchtenden Brummkreisel. Sie hören die Hexe noch undeutliche Beschwörungsformeln murmeln. Bald ist das Brummen und Flimmern so laut und hell, dass alle kurzzeitig das Bewusstsein verlieren. Im nächsten Moment schweben sie auf der Umlaufbahn und sehen - zunächst noch in einiger Entfernung - die sagenhafte Leiter zum Mond. Doch siehe da, tatsächlich warten da zwei Leitern: eine führt nach oben und eine nach unten! Was hat das zu bedeuten?

Mittwoch, 26. Mai 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 14


Bevor Samü in die Hütte hineingeht, hört er bereits ein merkwürdiges, mehrstimmiges Jammern. Neugierig geht er hinter das Haus und sieht eine Art Käfig mit ganz vielen Traumwichteln, sie sind eingesperrt. "Was macht ihr denn hier?", fragt Samü. "Die Hexe hat uns entführt", sagt einer, "sie hält uns hier gefangen. Sie will die Träume der Kinder an sich reißen. Du musst uns helfen..." Samü wird sofort klar, warum die Kinder zurzeit so schlecht träumen. Na klar, wenn die Traumwichtel ihnen keine schönen Träume bringen können - kein Wunder. Er denkt angestrengt nach. 'Die Hexe weiß also über alles Bescheid und will mich für ihre Pläne benutzen... Ich werde zum Schein auf sie eingehen.'
Die Hexe Humpeline Hinkefuß erwartet Samü im Schaukelstuhl, eine schwarze Katze auf dem Schoß. "Ich wusste, dass du kommen wirst", krächzt sie mit ihrer heiseren Stimme. "Ich weiss auch, welches Problem du hast. Meine innere Stimme hat es mir schon lange verraten." Hexe Humpeline ist bekannt dafür, eine sehr sensible und weitsichtige innere Stimme zu haben, die sie bereits im voraus über alles informiert, was von direkter Bedeutung für das Hexenwesen oder sie selbst sein könnte... In diesem Fall geht es um beides, denn auch die Hexen haben Interesse an dem geheimnisvollen Mondsand, der ihre Zukunft sichern soll. Denn es gibt Pläne, den Sandmännern und Traumwichteln die exklusive Nutzung des Traumsands abzuluchsen. Damit könnten sie künftig in den Träumen der Kinder herumspuken, was den Hexen wieder sehr viel Bedeutung beimessen würde. Dann würden alle Menschen wieder ganz oft den Rat der Hexen suchen und sie könnten so wieder viel Macht und Einfluss gewinnen. - "Lieber Samü, ich werde dich mit dem Magischen Kreisel verzaubern, der bringt dich und deine Gefährten in die Umlaufbahn der Erde. Dort kann dich der Mann im Mond über seine große Leiter dann zu sich holen, wenn er mag...", verrät die Hexe. "Aber wenn er eine Leiter hat, dann kann er doch gleich bis zur Erde kommen", wendet Samü ein. "Die Leiter reicht nur bis zur Umlaufbahn, sonst wäre er längst da gewesen. Nur derjenige, der zur Umlaufbahn kommt und mit Liebe und Freundlichkeit auf den Mond möchte und nicht, um den Mond zu bevölkern oder auszubeuten, darf hinauf..." Aha, deshalb haben es bisher auch noch keine Hexen hinausgeschafft... "Und was ist mit Jona und Buntjo?" fragt er beunruhigt. "Die beiden können durch den Kreisel ebenfalls mitkommen. Ihr seid dann im Raum-Zeit-Kontinuum gefangen, wenn ihr zurückkommt, hat sich die Zeit auf der Erde nicht verändert. Aber ihr dürft nicht länger als 24 Stunden wegleiben, sonst seit ihr für immer im Raum-Zeit-Kontinuum gefangen. Dann kann euch auch der Magische Kreisel nicht mehr zurückholen. Er bleibt nur 24 Stunden in der Umlaufbahn. Nun entscheide dich, ob du und die deinen dieses Wagnis eingehen möchtet..." Samü ist kein Zauderer, schon gar nicht, wenn es um wichtige Missionen geht. Also sagt er sofort: "Ich bin einverstanden." - "Gut, dann komme ich morgen um 12 Uhr mittags zu dir, um dich und deine Gefährten mit dem Magischen Kreisel in den Orbit zu befördern..."

Freitag, 23. April 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 13


Auch Samü weiß, dass sich Jona nicht einfach mitten in den Ferien für mehrere Tage aus dem Staub machen kann. Aber er muss ihn nun unbedingt mitnehmen, sonst könnte Jona seine Pläne in einem unbedachten Moment doch noch verraten. Blödsinn, das würde er nicht... Samü spürt im Herzen, dass er Jona vertrauen kann. Und er fühlt, dass er und der Junge das Abenteuer nur gemeinsam bestehen können. Natürlich mit Pitti, Schnatterinchen und Buntjo, versteht sich. Aber wie soll es nun weitergehen? Da kommt Samü eine Idee: "Ich werde die Hexe Humpeline Hinkefuß um Rat fragen", murmelt Samü. Sie hat immer einen besonderen Zauber zur Hand, wenn es um scheinbar ausweglose Situationen geht. Morgen früh also würde er mit Pitti, Schnatterinchen, Jona und Buntjo zur Hexe Humpeline Hinkefus fliegen. Ach herrjeh, Jona und Buntjo können doch gar nicht mitfliegen, die passen schließlich nicht ins Flugzeug. Dann muss die Hexe eben herkommen - na klar. Und nachdem sie ihr Werk vollendet hat, will Samü sie wieder zurückbringen. Genialer Plan, denkt er bei sich, jetzt muss er nur noch klappen... "Jona, wenn du magst, kannst du mit Pitti und Schnatterinchen noch etwas Zeit verbringen. Ich muss dringend etwas erledigen - wichtige Geheimaktion ..." sagt er mit leiser Stimme, und sein Bart zittert dabei, so sehr ist er selbst aufgeregt. Jonas Interesse ist natürlich geweckt, aber er bekommt nicht mehr aus Samü heraus und lässt ihn schließlich losziehen. Samü schwingt sich auf sein rotes Fahrrad und lässt sich von Schnatterinchen und Pitti einen mächtigen Schubs geben. Die beiden freuen sich, dass sie nun mit Jona ein wenig Karten spielen können. Samü braucht nicht lange bis zum Haus der Hexe Humpeline Hinkefuß. Es liegt in einem kleinen Wald des Münchner Olympiaparks und kann von den Menschen nicht gesehen werden... Eine eher unauffällige Holzhütte, die von mehreren Hexenbesen bewacht wird...

Samstag, 13. März 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 12


... und heraus schaut ein kuscheliges weißes Schaf und sagt "Hallo". Jona ist etwas verdutzt, obwohl er durchaus bemerkt hat, dass es sich um eine Handpuppe handelt. "Hallo", sagt er dann aber und will dem Wollschaf gerade die Hand schütteln, als sich ein Körper dahinter durch die Tür schiebt und sich der Lehrer Post in seiner ganzen Größe zeigt. Er guckt nun ebenso verdutzt auf Jona. "Ach, ich hatte meine Enkelin Larissa erwartet", sagt er, und: "Was willst du denn hier, Jona? Es sind doch Ferien!" - Jona tritt verlegen von einem Fuß auf den anderen, als Buntjo plötzlich zu bellen anfängt. "Hallo Opa", ruft gleich danach ein Mädchen von etwa elf Jahren, das soeben die Treppen hochgelaufen kommt. Das ist offensichtlich Larissa. "Die Tür unten war offen und da bin ich gleich hochgerannt." Als sie Jona und Buntjo bemerkt und sieht, dass ihr Großvater ihnen mit einem weißen Handpuppen-Lämmchen gegenübersteht, muss sie erst einmal lachen. Schließlich landen alle drei einschleißlich Buntjo bei Herrn Post auf dem Sofa im gemütlichen Wohnzimmer, trinken heiße Schokolade und essen selbst gebackene Dinkelkekse. Jona sieht ihn fragend an. "Hm, bei den wilden Pferden, wo ein Kaiser einst gehaust", sagt Herr Post und legt seine Stirn in Falten. "Da muss ich erst mal ein wenig nachdenken..." Eine Minute später hellt sich seine Miene auf: "Ich habe schon eine Idee", sagt er und schlägt ein Buch auf. Unvermittelt sieht er Jona forschend über den Rand seiner Lesebrille an und fragt: "Warum willst du das überhaupt wissen? Du brauchst das hoffentlich nicht für eine Ferienarbeit und benutzt mich nun, um dir die Arbeit zu ersparen?" - "Nein, es ist nicht für mich, sondern für einen guten Freund, er heißt Samü und ist ... verflixt, das darf ich leider nicht verraten, ich hab's versprochen. Aber es hat nix mit der Schule zu tun", beeilt er sich zu versichern. "Ich hab eben mein Indianerehrenwort gegeben..." Nun ist auch Larissas Interesse geweckt. "Ich will dir was zeigen, Jona", sagt sie und nimmt ihn mit auf den Balkon, wo sie Seifenblasen in den Wind pustet, die so schön bunt schillern, dass Jona ganz sprachlos wird. "Wenn du mich einweihst, dann schenk ich dir das Fläschchen", verspicht Larissa und blickt ihn etwartungsvoll an. "Es geht nicht, vielleicht morgen, ich muss schauen", weicht Jona aus. Er will Larissa gerne besser kennenlernen, aber er kann doch Samüs Vertrauen nicht enttäuschen. So verabreden sie sich für den nächsten Tag an der Eisdiele vor dem Türkendolch. Inzwischen hat auch Lehrer Post seine Recherchen beendet und präsentiert das Ergebnis: "Ich glaube, es ist die Spanische Hofreitschule in Wien, da hat der österreichische Kaiser Leopold anfangs bei den Pferden im Stall geschlafen." Glücklich fährt Jona zurück zu Samü, um ihm die gute Nachricht zu überbringen... Er erzählt Samü alles, auch von Larissa und den Seifenblasen. "Ach", entgegnet Samü nur, "ach, verstehe. Aber Jona, wir dürfen uns jetzt nicht ablenken lassen und haben keine Zeit zu verlieren. Meine Sandmannkollegen springen nicht ewig für mich ein und wenn sie meinen Job nicht mehr übernehmen, können die Kinder in München nicht mehr richtig einschlafen... Wenn wir erst mal in Wien sind, stelle ich dir den Clown Pic vor, der ist der König der Seifenblasen-Poesie, niemand pustet so kunstvoll wie er. Pic ist dort gerade mit seinem Zirkus auf Tournee..." Das hört sich natürlich sehr vielversprechend an, aber er kann doch nicht einfach so nach Wien fahren, das würden seine Eltern doch nie erlauben. Jetzt war mal wieder guter Rat teuer..

Mittwoch, 10. Februar 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 11


Auf dem Weg dorthin denkt er noch ein wenig über das nach, was Samü ihm gesagt hat: Du kannst am besten mit deinem Hund Buntjo umgehen, hm, das erstaunt ihn. Schließlich gehört der Hund der ganzen Familie, also auch seiner kleinen Schwester. Aber irgendwie stimmt es schon, denn er kümmert sich am meisten um den Chow Chow mit der auffälligen lila Zunge. Und der dankt es ihm, dass er am meisten auf ihn hört und an ihm hängt. Plötzlich spürt Jona, wie sich ein wenig Enttäuschung in seinem Herzen breit macht, hätte er sich doch gewünscht, zum Beispiel der schnellste Läufer in der Schule zu sein, der Stärkste in Mathe oder der Musikalischste. Einer, den alle bewundern. Aber dem war einfach nicht so. "Ist doch egal", sagt er laut zu sich selbst, "bis vor einer halben Stunde hast du nicht einmal gewusst, dass du irgendwas besser kannst als jeder andere..." Ein paar Minuten und Tram-Haltestellen später sind Buntjo und Jona auch schon beim Türkendolch in der Türkenstraße. Jetzt muss der Herr Post nur noch zuhause sein, und tatsächlich, die Tür öffnet sich...

Montag, 8. Februar 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 10


Samü blickt Jona noch mal tief in die Augen. Er weiß, Jona ist ein blitzgescheiter Junge, dem man etwas zutrauen kann - obwohl er erst zehn Jahre alt ist. Jona selbst ist davon nicht so überzeugt, das spürt Samü, deshalb will er ihm noch etwas mit auf den Weg geben: "Jona, jeder Mensch hat ein ganz besonderes Talent, etwas, was er besser kann als jeder andere..." Jona sieht ihn fragend an, es fällt ihm schwer zu glauben, dass auch er eine ganz besondere Fähigkeit haben soll. "Ja, Jona, du hast sogar zwei einzigartige Fähigkeiten", fährt Samü fort. "Du kannst am besten mit deinem Hund Buntjo umgehen - und du bist der einzige in München lebende Junge, der den städtischen Sandmann live erleben darf." Jonas Brust schwillt sichtbar an. Der einzige, der den Sandmann sehen darf... wie krass. Wenn das seine Eltern wüssten - dann wären sie aber mal mächtig stolz auf ihn. Aber er durfte es ihnen nicht sagen, das hatte er Samü ja versprochen. Nun galt es, flugs zum Lehrer Post zu gehen, um ihn um Rat zu fragen. Jona und Buntjo machen sich auf den Weg zu seiner Wohnung. Sie liegt in der Türkenstraße im Herzen Schwabings, unweit des Münchner Siegestors...

Freitag, 29. Januar 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 9


Noch bevor Samü überhaupt von seinem verrückten Traum erzählen kann, hört er Geräusche im Garten, jemand scheint sich der Laube zu nähern. Samü sieht aus dem Fenster und sieht Jona unten stehen, gemeinsam mit Buntjo, dem Chow Chow mit der lila Zunge und dem grüngrauen Fell. "Oh, was für eine süßes Puppenhaus", ruft Jona, als er die kleine Laube sieht, die im begrünten Hinterhof etwas erhöht auf einem Mini-Hügel in den ausgebrannten Stamm einer uralten, knorrigen Eiche eingebaut wurde. "Das ist kein Puppenhaus", sagt Samü, als er Jona die Tür öffnet, "das ist die Sandmann-Laube. Du kannst das hier übrigens nur sehen, weil wir uns gestern persönlich kennen gelernt haben. Für alle, die mich nicht kennen, ist das alles hier unsichtbar, die sehen hier nur eine Art Fata Morgana mit einer meterhohen Hecke, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. Das hier, die Welt von uns, den Sandmännern und den anderen Nachtwesen, ist die wirkliche Wirklichkeit, aber sie bleibt den meisten Menschen verborgen, da sie ja nachts schlafen müssen ..." Jona hört andächtig zu und ist schwer beeindruckt. Das scheint ja alles noch viel besser zu sein, als er es sich in seinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte. "Nun Jona, du kannst uns helfen. Ich habe ein Rätsel für dich, versuche doch bitte mit uns herauszufinden, wo die Traumwichtel auf der Erde wohnen. Es ist ein Platz, an dem Pferde und ein Kaiser lange unter einem Dach gewohnt haben. Das ist wichtig, denn ich glaube, da finden wir auch die Antwort, warum die Kinder zurzeit so schlecht traumen..." - Jona überlegt kurz, dann hat er eine Idee: "Da muss ich mal meinen Geschichtslehrer fragen. Der Herr Post ist nett, den kann ich auch zuhause anrufen, ich bin gleich wieder da", ruft Jona und macht sich aus dem Staub...

Samstag, 9. Januar 2010

Samüs verrückte Reise zum Mond, Teil 8


Die Anstrengungen der letzten Tage sind nicht spurlos an Samü, Schnatterinchen und Pittiplatsch vorüber gegangen. Jetzt heißt es Kraft sammeln für die nächsten Abenteuer und Aufgaben. Samü träumt, er werde von einem bunten, exotischen Südsee-Papagei zum Mond geflogen, in einer Gondel, die unter ihm hängt. Auf dem Mond selbst gibt es einen fantastischen Rummelplatz mit Riesenrad, Fahrgeschäften, Türkischem Honig und Akrobaten, die allerlei Kunststücke zur Schau stellen. Und ein Zauberer ist auch da, mit einem riesigen Panama-Hut, aus dem pausenlos Kolibris und Schmetterlinge flattern. Es werden immer mehr und bald sind es so viele, dass es um Samü herum Nacht wird. Genauso schnell sind sie wieder verschwunden und plötzlich ist er ganz allein, nur ein kleiner blauer Traumwichtel steht vor ihm und sieht ihn aus dunklen Knopfaugen freundlich lächelnd an: "Ich hab gehört, du willst zum Mond", hört Samü ihn sagen, obwohl sich seine Lippen ganz und gar überhaupt nicht bewegen. "da wo wir Traumwichtel herkomm'." Samü nickt eifrig. "Dann finde uns auf der Erde - wir leben bei den wilden Pferden, da wo ein Kaiser einst gehaust, da haben wir unser Nest gebaut..." Dann verschwindet der Wichtel und Samü wacht auf. Verwundert schaut er sich um. Nanu, er liegt zuhause im Bett und neben ihm schnarchen Schnatti und Pitti, seine besten Freunde. Tja, nun ist guter Rat teuer: Wo halten sich die Traumwichtl-Abgesandten auf der Erde versteckt? Vielleicht haben die beiden eine Idee, wenn er ihnen von seinem Traum erzählt - wenn sie ihm überhaupt glauben würden...